Oly Studentendorf

16.05.2019, 09:30
Olympiadorf / Studentische Siedlung,
Connollystraße3, 80809 München

Bauvorhaben/Projekt: Errichtung des olympischen Dorfes der Frauen (sowie spätere Nutzung als Studentenwohnanlage) anlässlich der 72. Olympischen Sommerspiele in München

Architekten: Günther Eckert/ Werner Wirsing

Bauherr: Studentenwerk München

Größe / Dimension:  ca. 50000 m²
Anzahl/ Wohneinheiten: 1052 Einzelbungalows (je 18 m²/12000DM),
800 Wohneinheiten im Hochhaus, 100 Familienapartments

Olydorf

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Problemstellung:
In den 70er Jahren ist mit dem studentischen Dorf ein Modell entwickelt worden, das sich in einigen Punkten grundlegend von den Großwohnsiedlungen der damaligen Zeit unterscheidet.
Mit einen nach Norden ausgerichteten Schutzwall und den Richtung Olympiapark abflachenden Wohneinheiten und deren Balkone entstand eine parkähnliche Atmosphäre mit hohem Wohnwert. Dazu trug auch die Verlegung des Fahrzeugverkehrs in die untere Ebene bei.
Ganz dem Gedankengut der 68er verpflichtet, bieten die kleinen zweigeschossigen Maisonettewohnungen höchstmögliche Individualität einerseits (mit eigenem Eingang, Bad, Kochnische und sogar einer eigenen Dachterrasse) und kommunikativen Raum in den kleinen Gassen oder Plätzen andererseits.

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Ursprungssituation:
Das Olympische Dorf in München, welches in den 70er Jahren für die Teilnehmer der Olympischen Spiele erbaut wurde, war ein Experiment mit dem eine neue Wohnsituation: „Stadt in der Stadt“ untersucht werden sollte, mit der Idee die Unterkünfte für 10.000 Athleten in zwei Bereiche zu gliedern. Da die Großwohnsiedlungen, welche einst als Revolution im Wohnungsbau galten, vielerorts zur Problemzone geworden sind, ist ein Modell entwickelt worden, das sich grundlegend unterscheidet von den Großwohnsiedlungen der damaligen Zeit.

Heutige Situation:
Nach den Olympischen Spielen 1970 sollte die Nutzung des Frauendorfes in eine Studentenwohnsiedlung umfunktioniert werden. Heute ist die Siedlung die zweitgrößte Wohnanlage des Studentenwerks München. Das Olydorf erfreut sich noch heute größter Beliebtheit. Da pro Wohneinheit jedem Studenten ein eigenes Schlaf-/Arbeitszimmer, Bad, Küche/Wohnzimmer und sogar eine eigene Dachterrasse zustehen, bieten die Bugalowwohnungen höchste Individualität. Die Gässchen zwischen den Häuserreihen sind gerade einmal 2,30 Meter breit und bieten somit Kommunikationsraum, welcher den Dorfcharakter verstärken soll.

Das studentische Dorf verwaltet sich durch Haussprecher und das Studentenwerk größtenteils selbst, sodass jeder Bewohner von seinem Mitspracherecht aktiv Gebrauch machen kann. Ebenfalls finden sich viele von Studenten betriebene Einrichtungen im Gemeinschaftszentrum. Neben Bierstube, Café und Olydisco finden sich in der ehemaligen Mensa beispielsweise die Kinderkrippe Olyspatzen. Auch die für Münchner Verhältnisse sehr günstigen Mietpreise sind Grund für die wachsende Beliebtheit des Dorfes. Denn mit ca. 320€ liegt dieser deutlich unter dem Durchschnitt.

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Das Studentendorf, welches 1972 in kürzester Zeit errichtet worden ist, war 2005 in die Jahre gekommen und hatte bauliche Schäden an Dächern, Wärmedämmung und unterirdischen Rohrleitungen erlitten. Daraufhin wurden die Bestandswohnungen bis auf 12 Beispieldenkmäler komplett zurückgebaut und im städtebaulichen Rahmen auf demselben Flächenareal neu errichtet. Um mehr Wohnraum zu schaffen, wurde eine Nachverdichtung von 800 auf 1052 Wohneinheiten durchgeführt. Dadurch verkleinerte sich der Grundriss der einzelnen Wohnungen von 24 Quadratmeter auf 18 Quadratmeter. Die Minihäuser wurden wie damals als 2-geschossige Maisonette Wohnungen konzipiert und in Sichtbetonbauweise wiederaufgebaut. Pro Baufeld wurde eine Gebäudezeile unterkellert und eine Verbesserung der Bauphysik vorgenommen. So bestehen bis heute 12 denkmalgeschützte Originale und 1040 Neubauten.

Relevanz für unsere Generation:
Meiner Meinung nach hat das Projekt noch immer Relevanz für unsere heutige Situation, denn gerade Wohnraum mit so viel Individualität (ob im Innenbereich, wo jeder Studierende seine eigene Wohnung hat und diese frei einrichten kann oder im Außenbereich durch die freie Fassadengestaltung) ist heutzutage knapp geworden. Auch der Dorfcharakter in der Stadt hat sich bewährt und könnte, meiner Meinung nach, in Zukunft Plattenbauten teilweise ersetzen. Der offensichtlichste Nachteil der Wohnanlage ist die Platzverschwendung die mit den nur 2-stöckigen Bungalowreihenhäuschen einhergeht. Gerade deswegen würde ich persönlich empfehlen sich mit dem Wohnkonzept auseinanderzusetzen, um auch für dieses Problem Lösungsansätze zu finden.

Beitrag: Marie Otto

Olympiadorf

16.05.2019, 09:30 Olympisches Dorf, München

Baujahr: 1972
Architekten: Behnisch & Partner (Lage und Raumplanung)
Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner (Bauten und Anlagen)

Das olympische Dorf in München wurde anlässlich der XX. Olympischen Spiele 1972 als Teil des Olympiaparks errichtet und diente zur Unterbringung der Athletinnen und Athleten. Darüber hinaus wurde es vorausschauend so konzipiert, dass es auch nach den Spielen noch die Funktion als lebenswerter Wohnraum erfüllen konnte.
Als städtebauliches Konzept ist es eine „Stadt in der Stadt“. Neben Wohnungen wurde auch auf Einkaufsmöglichkeiten, Schulen sowie Kindergärten, kulturelle Einrichtungen und Grünflächen geachtet. Es finden sich eine Vielzahl an Brunnen und Spielplätzen, wobei letztere von der „Pädagogischen Aktion“ geplant wurden, einem Münchner Verein zur kommunalen Kinder- und Jugendkulturarbeit.
Das autofreie Dorf zeichnet sich durch eine Vielzahl an Gebäudetypen aus, vom 88m hohen Olympiatower bis hin zu eingeschossigen Bungalows mit Wohnnutzung.

Olympisches Dorf

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Im Norden des Olympiaparks liegt das ehemalige Olympische Dorf der Männer, das heute als Wohnviertel genutzt wird. Im Süden befindet sich das ehemalige olympische Dorf der Frauen, das jetzt als begehrte Studentenwohnanlage fungiert. Insgesamt finden sich heute in 3500 Wohneinheiten über 6000 Bewohner.

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Das Olympische Dorf polarisierte von Anfang an. Auf der einen Seite wird es schon seit seiner Entstehung als Betonwüste kritisiert. Wenn man heute dort durch spaziert, bekommt man durch den vielen Beton und die fast schon überbordende Begrünung an den Balkons und am Wegesrand fast den Eindruck einer postapokalyptischen Welt. Dennoch erfreut sich „Oly“, wie es liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird, großer Beliebtheit! 90% der Umzüge finden innerhalb des Gebiets statt! 2006 gewann „Oly“ beim städtischen Wettbewerb „Kinder und familienfreundliches Umfeld“ einen Sonderpreis.

Auch weist es die höchste Akademikerrate in ganz München auf, was bei dem Klischee der „Professorenvillen“ einen bemerkenswerten Kontrast darstellt.
Dass die Betonhülle trügen kann, bemerkten wir, als wir einen der Bungalows besichtigen durften. Die Innenräume waren großzügig und modern und besaßen sogar einen Innenhof. Diese Tatsache und die Preislage der Wohnungen sind für Münchner Verhältnisse eine Rarität!
Trotz der einheitlichen Betonberfläche, die eigentlich wenig Individualismus zulässt, funktioniert das Konzept. Ich finde es stadtplanerisch eine Meisterleistung, welche man sich in dieser Form öfter so wünschen möchte. Architektonisch wiederum ist es – in seiner unendlichen Reihung immer gleicher Formen – natürlich sehr trist. Dabei helfen selbst die liebevoll und kreativ bemalten Bungalows der Studenten nicht hinweg. Doch trotz Baumängel und Betonwüste spürt man die hohe Lebensqualität im ehemaligen Olympischen Dorf, die ihre Bewohner so schätzen.

Es lohnt sich in jedem Fall, einmal entspannt das ehemalige Olympiadorf zu besuchen. Es erwartet einen eine fast schon andere, postapokalyptisch anmutende Welt: ein grüner, ruhiger und spannender Ort, der einlädt, ihn zu erkunden.

Beitrag: Luca Fischer

Werner Sobeck

15.05.2019, 10:45, Max Krüger

„Mit weniger Materialien mehr gebaute Umwelt schaffen“(1) – was im ersten Moment ziemlich widersprüchlich klingt, hat sich ein berühmter deutscher Architekt und Bauingenieur zum Grundsatz seiner Arbeit gemacht.
Werner Sobek (*16. Mai 1953, Aalen)(2) ist weltweit für seine ausgeklügelten Konzepte zur Minimierung von Energie- und Materialverbrauch beim Bauen und Wohnen bekannt.(3)
Mit 21 Jahren begann Sobek Bauingenieurswesen und Architektur an der Universität Stuttgart zu studieren. (4) Nachdem er 1987 im Bauingenieurswesen promovierte, arbeitete er bis 1991 in einem Stuttgarter Ingenieurbüro. (5) Es folgten weitere Ehrenpromotionen der TU Dresden und TU Graz 6 , bis er 1992 sein eigenes Ingenieurbüro „Werner Sobek“ gründete(7).
Heute ist es als Firmengruppe weltweit an 8 Standorten mit mehr als 350 Mitarbeitern vertreten und arbeitet mit anderen berühmten Architekten (Zaha Hadid, Christoph Ingenhoven usw.) zusammen. Dabei liegt der Fokus des zukunftsorientierten Unternehmens besonders auf der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz (8) , ohne dabei eine erstklassige Gestaltung und ein herausragendes Engineering zu vernachlässigen.
Seit 1994 ist Sobek selbst als Professor an der Universität Stuttgart tätig9 und unter anderem Leiter des „Instituts für Leichtbau Entwerfen & Konstruieren“ (ILEK)(10). Dieses vereinigt die in der Architektur und dem Bauingenieurswesen dominanten Bereiche der Analyse, Konstruktion und Materialwissenschaft.(11) So können neue Arten von Bauweisen und Tragstrukturen entwickelt werden.
Neue Wege und Lösungen für das nachhaltige Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken entwickelt er außerdem als einer der Initiatoren der „Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“. Hauptaufgabe dessen ist der Auf- und Ausbau eines Zertifizierungssystems für nachhaltige Bauten.
Darüber hinaus ist Werner Sobek Mitglied des Vorstandes der Ingenieur- und Architektenkammer Baden-Württembergs und außerordentliches Mitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

Eines der bekanntesten Projekte Sobeks nennt sich „R128“ (resultierend aus der Adresse „Römerstraße 128“) – ein ganzseitig verglastes, nahezu komplett recyclebares und emissionsfreies Nullheizenergie-Gebäude.(12)
Das Unternehmen plant neben den zahlreichen Großprojekten jährlich ein Wohnhaus als Anschauungsobjekt neuer Technologien. Diese können später auf größere Projekte angewendet werden. Im Rahmen dessen entstand in den Jahren 1998 bis 2000 „R128“, das heute als privates Wohnhaus der Familie Sobek in Stuttgart genutzt wird.(13) Durch seinen modularen Aufbau mit Schraub- und Steckverbindungen lässt es sich leicht aufbauen und beim Abbau nahezu komplett in seine Einzelteile zerlegen.(14)
15 Jahre später plante das Unternehmen im Bruckmannweg 10 der berühmten Stuttgarter Weißenhofsiedlung das erste Aktivhaus der Welt – ein energetisch autarkes Gebäude, welches das Verhalten seiner Bewohner „lernend“ in den Energiehaushalt einbezieht. Das sogenannte „selbstlernende Gebäudeautomationssystem“ erzeugt selbst doppelt so viel Strom aus nachhaltigen Energiequellen, wie es selbst benötigt.(15)
„B10“ ist, genau wie die 1927 errichteten Gebäude, die es umgeben, ein zukunftsweisendes Gebäude. Innovative Materialien, Konstruktionen und Technologien tragen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Umwelt bei und ermöglichten nach acht Monaten Planung die Montage an nur einem Tag.(16)

Aus rechtlichen Gründen darf das Gebäude leider nur fünf Jahre auf dem Grundstück stehen und muss im Jahr 2019 wieder entfernt werden.

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(1) Vgl. o.A., Prof. Dr. Werner Sobek, in: http://www.uni-stuttgart.de/presse/experten/Prof.-Dr.-Werner-Sobek (11.05.2019)
(2 )Vgl. o.A., Werner Sobek, in: de.wikipedia.org/wiki/Werner_Sobek (11.05.2019)
(3) Vgl. o.A., Werner Sobek – Engineering & Design, in: http://www.german-architects.com/werner-sobek-engineeringand-design-stuttgart (11.05.2019)
(4) Vgl. o.A., Werner Sobek, in: de.wikipedia.org/wiki/Werner_Sobek (11.05.2019)
(5) ebenda
(6) Vgl. o.A., Prof. Dr. Werner Sobek, in: http://www.uni-stuttgart.de/presse/experten/Prof.-Dr.-Werner-Sobek (11.05.2019)
(7) Vgl. o.A., Werner Sobek – Engineering & Design, in: http://www.germanarchitects.com/werner-sobek-engineeringand-design-stuttgart (11.05.2019)
(8) Vgl. o.A., Prof. Dr. Werner Sobek, in: http://www.uni-stuttgart.de/presse/experten/Prof.-Dr.-Werner-Sobek (11.05.2019)
(9) Vgl. o.A., Werner Sobek, in: de.wikipedia.org/wiki/Werner_Sobek (11.05.2019)
(10) Vgl. o.A., o.T., in: http://www.wernersobek.de/firma/intro (11.05.2019)
(11) Vgl. o.A., ILEK, in: https://www.ilek.uni-stuttgart.de/institut/ institutsprofil (11.05.2019)
(12) Vgl. o.A., R128, in: http://www.wernersobek.de/projekte/focus-de/design-de/r128 (11.05.2019)
(13) Vgl. Czaja, Wojciech, Ich bin Versuchskaninchen im eigenen Haus, in: derstandard.at/1392687544014/Werner-Sobek-Ich-bin-Versuchskaninchen-im-eigenen-Haus (11.05.2019)
(14) Vgl. o.A., R128, in: http://www.wernersobek.de/projekte/focus-de/design-de/r128 (11.05.2019)
(15) Vgl. O.A., Aktivhaus B10, in: http://www.german-architects.com/de/werner-sobek-engineering-and-designstuttgart/project/aktivhaus-b10 (11.05.2019)
(16) ebenda