Dessau Bauhaus

17.05.2019, 17:00, Melanie Dix

Walter Gropius und das Bauhausgebäude in Dessau

Walter Gropius
Walter Gropius, Bauhaus-Gründer und wesentlicher Mitbegründer der „Modernen Architektur“ wurde 1883 in Berlin geboren. In seinem Leben war er als Architekt und Industriedesigner tätig und entwickelte revolutionäre Arten des Bauens. Zu Zeiten der Weimarer Republik gab es einen großen Mangel an günstigem Wohnraum, sowie städtebauliche und soziale Probleme. Daraus entwickelte Gropius einen kostengünstigen, modularen Massenwohnungsbau. Zwar löste die Herangehensweise die damals angespannte Wohnungssituation, jedoch wird aus heutiger Sicht auch viel Kritik geübt. Ungünstige Wohnungsschnitte oder die Lage von Sanitärobjekten und Fenstern korrigierten Bewohner häufig. Oft wurden durch den Massenwohnungsbau und anonymisiertes Wohnen neue soziale Probleme erzeugt. 1934 floh Gropius nach Angriffen der Nationalsozialisten auf das Bauhaus ins Exil. In den USA war er noch lange Zeit als Architekt und Professor tätig, bis er 1969 in Boston verstarb.

Bauhausgebäude Dessau
Architekt: Walter Gropius
Baujahr: 1925/26

Bauhausgebäude Dessau Melanie Dix

Geschichte
Das ursprüngliche Bauhaus mit Sitz in Weimar musste, aufgrund von politischem Druck, 1925 aufgelöst werden. In Dessau fand man Unterstützung, wodurch das neue Bauhausgebäude 1926 fertiggestellt werden konnte. Dabei wurde die Inneneinrichtung größtenteils von den Bauhaus-Werkstätten selbst gefertigt. Nach langen Debatten mit der NSDAP, in denen ein Abriss gerade so verhindert werden konnte, wurde das Bauhaus 1933 endgültig zur Selbstauflösung gezwungen. 1945 brannte das Gebäude nach einem Luftangriff weitestgehend aus.

Ursprungssituation
Das Ziel des Bauhauses unter Gropius war der „Bau der Zukunft“ als Gesamtkunstwerk. Architektur, Handwerk, Design und Industrie sollten perfekt zusammengeführt werden.
Das Bauhaus in Dessau besteht aus fünf Einzelbaukörpern, die zu einem Gebäude zusammengefügt wurden. Man muss das Gebäude umlaufen, um die Form zu verstehen. Jeder Flügel dient einer eigenen Nutzung. Besonders auffällig ist der Werkstättentrakt mit seiner über drei Geschosse gezogenen Glasvorhangfassade. Die Stahlstützen waren komplett von ihr zurückgesetzt, wurden aber dennoch als Konstruktion zum Gestaltungsbestandteil. Die offene Fassade sollte den Eindruck von Leichtigkeit und Freiheit erzeugen.
Auch hier spiegelte sich Gropius funktionale Herangehensweise an das Bauen wider. Der Zweck bestimmt die Form. Das Aussehen ergibt sich aus der Funktion. Schmuck gab es nicht. Die Stahlskelettbauweise war dabei revolutionär.

Heutige Situation
Seit 1994 ist das Bauhausgebäude in Dessau Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau. Weiterhin ist es als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Der Großteil des Gebäudes wird heute von der Stiftung genutzt. Einige Räume sind für Lehrtätigkeiten vorgesehen. Die ehemaligen Studentenwohnungen werden als Appartements vermietet.
2009 wurden letzte Instandsetzungsarbeiten gemäß den Plänen von Gropius abgeschlossen. Dennoch gibt es Unterschiede zur originalen Bausubstanz. Die ursprüngliche Kristallglasfassade verursachte seinerzeit große Probleme bezüglich des Sonnen- und Kälteschutzes. Notwendige Vorhänge zerstörten die beabsichtigte Transparenz. Man ersetzte sie durch normales Glas. Einige Anpassungen an neue bauliche Vorschiften mussten erfüllt werden. Außerdem wurden die Außenanlagen neugestaltet. Baustoffe, die man damals experimentell verbaute, sind sehr wartungsintensiv.
Dennoch erkennt man beim Umlaufen und Begehen des Gebäudes immernoch die ursprüngliche Entwurfsidee. Fotografien von früher entsprechen fast genau dem aktuellen Zustand. Das Gebäude ist nicht ohne Grund ein Beispiel der modernen Architektur. Die großen Glasfassaden, außer deren kleingliedrige Unterteilung, sind auch heute zeitgemäß, ebenso wie die weiß verputzten Fassaden.

Relevanz in der heutigen Zeit
Das Bauhausgebäude in Dessau war eines der ersten Gebäude in einer Stahlskelettbauweise. Die damals provokative, große Fensterfassade galt richtungsweisend. Bis heute wurde diese Bauweise perfektioniert und wird in der Industrie und Wirtschaft fast ausschließlich genutzt. Es ist erstaunlich ein Gebäude von vor fast einem Jahrhundert zu betrachten, welches heute auch als Neubau erdenklich wäre. Die Verbindung aus Funktion und architektonischer Qualität ist gelungen. Es gibt viele interessante und durchdachte Details zu betrachten.

Dessau Meisterhäuser

17.05.2019, 15:40

Dessau, 17.05.2019 ca. 16:15 Uhr
Sarah Laudan

Projekt: Siedlung Meisterhäuser Dessau
Architekt: Walter Gropius
Baujahr: 1925-1926

Wohneinheiten: Direktorenhaus, 3 Meisterhäuser als Doppelhäuser gestaltet für die Lehrenden des Bauhauses

Lageskizze

Die Meisterhaussiedlung wurde 1926 fertig gestellt. Dort zogen Gropius selbst und seine Lehrenden László Moholy-Nagy, Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee mit ihren Familien ein.
1932 wurde das Bauhaus in Dessau geschlossen. Die Häuser wurden zunächst vermietet und später verkauft. Während des 2. Weltkriegs wurden Teile der Siedlung zerstört und verwahrlosten danach. Auf das einstige Direktorenhaus wurde ein Einfamilienhaus mit Giebeldach gebaut.

1996 wurden Meisterhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Man begann mit der Restaurierung und Rekonstruktion, die im April 2019 fertig gestellt wurde.

1. Ursprungsituation: Walter Gropius wollte eine Siedlung für die Meister des
Bauhauses schaffen, in der sie mit ihren Familien leben konnten. Gleichzeitig sollte die Siedlung als Muster für modernes Wohnen dienen. Die Lebensvorgänge innerhalb des Hauses sollten nach modernen Ansprüchen organisiert sein. So waren Atelier und Wohnzimmer großzügig geschnitten und die Nutzräume auf ein Minimum reduziert. Gropius entwarf Doppelhäuser deren zwei Grundrisse sich um 90° von Ost nach Süd verschieben. Wobei zwei unterschiedlich große Wohnungen entstanden,
für einen 2-Personen-Haushalt und eine Familie mit Kindern.
Auch der Bauprozess folgte dem Prinzip des Rationalen Bauens, sodass die
Gebäude nach dem Baukastenprinzip mit industriell vorgefertigten Teilen entstanden.
Motto: „Vereinfachung durch Multiplizierung“Schnitt

2. Heutige Situation: Im April 2019 wurden die Restaurierung und Rekonstruktionsarbeiten an der Siedlung abgeschlossen. Die Häuser, die den Krieg überstanden hatten, wurden restauriert und zeigen wieder den urspruünglichen Zustand. Das Direktorenhaus und ein Teil des zweiten Meisterhauses wurden von einer Bombe im 2. Weltkrieg zerstört. Sie wurden rekonstruiert. Allerdings nutze man hier andere Materialien und reduzierte Details, um das Bild einer „unscharfen Erinnerung“ entstehen zu lassen.
Anhand der Restaurierung kann man heute wieder sehr schön das Konzept und die Idee von Gropius verstehen. Die Rekonstruktion/Reparatur der anderen beiden Häuser ist schwieriger zu erfassen, da diese als Ausstellungsräume dienen. Die Grundrisse wurden angepasst und das äußere Erscheinungsbild wurde leicht verändert. Sie wirken daher mehr wie eine Art Denkmal anstatt eines Wohnhauses.
Motto: Mit Reduktion zwischen Bestand und Reparatur unterschieden.

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Fotos von Sarah Laudan sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

3. Relevanz: Gropius Meisterhaussiedlung war eine der ersten Siedlungen im Stil der Moderne. Die großen Fensterflächen, Dachterrassen oder die vereinfachte schlichte Fassade sind Details, die uns heute noch bei beim Entwerfen prägen. Aber auch Organisation der Räume und deren Größen sind ein gutes Beispiel, man wie heute mit zu Zersiedelung und dem steigenden Anteil an Singlehaushalten umgehen kann.